Freitag, 17. August 2012

Andrea Tillmanns, Tod im Wasser

- Diesmal war ich besser auf die Kälte vorbereitet. Um meinen Kreislauf zumindest für die erste Zeit des Wartens in Schwung zu bringen, hatte ich vor dem Fernseher Turnübungen gemacht und war fleißig auf der Stelle gehüpft, bis ich den Mann unter mir etwas von "Unverschämtheit" und "Ruhestörung" brüllen hörte. -

Sirka Ehrenpreis hat eigentlich nur aus Spaß an der Freude ein Detektivseminar besucht, während ihr Mann als Rechtsanwalt gearbeitet hat. Doch nachdem dieser sich nun lieber mit seinen Studentinnen vergnügt und die Scheidung vollzogen wurde, muss Sirka für sich selbst sorgen. Daher macht sie kurzerhand aus ihrem Hobby einen Beruf und versucht als selbständige Detektivin auf eigenen Beinen zu stehen. Leider handelte es sich bei den ersten Fällen um entlaufene Tiere, die zwar schnell aufgefunden wurden, aber keine gute Einnahmequelle darstellen. Ist das liebste Tiere erst einmal wieder zurückgebracht, werden die Besitzer recht knauserig. Außerdem scheint sich die Nachricht über Sirkas "Talent" unter den Tierliebhabern wie Feuer auszubreiten. An Aufträge aus anderen Bereichen ist gar nicht mehr zu denken. Das ändert sich schlagartig, als eine Nachbarin abends bei der Privatdetektivin klingelt und von einer sonderbaren Beobachtung spricht. Der im benachbarten Park befindliche Geldbrunnen soll durch eine männliche Leiche erweitert worden sein. Sirka verständigt natürlich sofort die Polizei und glaubt nicht, dass sie selbst solch einen Fall übernehmen könnte. Die Nachbarin ermutigt sie jedoch dazu und so beginnen, neben der eigentlichen Polizeiarbeit, die eigenwilligen Ermittlungen der Detektivin.

Andrea Tillmanns erzählt eine sehr ruhige Kriminalgeschichte, die teilweise wirklich nur leise plätschert und nicht durch schnelle Analysen oder rasante Verfolgungen besticht. Dies ist auch eine Art Spiegelung der Charaktereigenschaften, die die Protagonisten aufweist. Sie ist ein wenig langsamer und braucht erst eine gewisse Anlaufzeit bis ihre Arbeitstemperatur erreicht ist. Zudem ist sie sehr unbedarft in Bezug auf Ermittlungen und wirkt teilweise etwas tollpatschig. Aber gerade diese naive Art und Weise, das Denken in ungewohnten Bahnen und die nicht vorhandenen Denkmuster, die bei den Kommissaren zum Einsatz kommen,  ermöglichen ihr eine klare Sicht auf die Tatsachen. In einigen Situationen kommen hingegen ein gewisser Humor und eine Leichtigkeit ansatzweise zum Vorschein. Leider werden diese Eigenschaften nur knapp beschrieben oder tauchen mal zwischen den Zeilen auf. Gerade hier liegt aus meiner Sicht aber ein enormes Potenzial, dass die Arbeit der Detektivin für den Leser noch spannender und unterhaltsamer machen kann. Dieses Gefühl der Unvollkommenheit zieht sich latent durch das gesamte Buch. Immer wieder kommen Szenen, die einen guten Ansatz zeigen und dann ohne Wirkung verpuffen. Besonders stark fällt dies am Ende ins Gewicht. Die Wendungen sind sehr überraschend und gleichzeitig im Nachhinein für den Leser erklärbar. Sie erfolgen aber so plötzlich und werden so schnell abgehandelt, dass sie schon fast wie willkürlich aneinandergereihte Ereignisse wirken, die schnell noch untergebracht werden wollten. Und das ist so schade, weil wirklich eine hervorragende gedankliche Arbeit erkennbar ist, die aus irgendeinem Grund nicht ihre Wirkung entfalten kann. 
Trotz aller Kritikpunkte hat mir das Lesen sehr viel Spaß bereitet und das Ende lässt darauf hoffen, dass man noch mehr von Sirka Ehrenpreis hören wird.
Drei von fünf


Fazit: Die Ideen der Autorin sind hervorragend, aber die Umsetzung weißt hier und da noch Ecken und Kanten auf, die geschliffen werden müssen.


192 Seiten
Maße: 120 x 190 mm
Broschur
ISBN: 978-3-8313-2048-6 
Erschienen: 01.07.2009 
Preis: 9,95€


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