Freitag, 12. November 2010

Joachim Rangnick, Der Ahnhof

"Ich bin überzeugt, dass es Menschen gibt, die einfach von Grund auf böse sind, und zwar schon von Anfang an. Das ist wie ein Erbgut. Und manchmal wird es in der Familie weitergereicht wie abstehende Ohren oder im geistigen Sinne wie ein Fluch."

Im Leben des Journalisten Robert Walcher gab es bisher immer wieder böse oder schockierende Erlebnisse. Doch momentan scheint alles gut zu laufen und er genießt das Leben mit seiner Adoptivtochter und einer Haushälterin auf einem Hof im Allgäu. Zudem ist er gerade dabei sich wieder neu zu verlieben und sieht der Zukunft sehr optimistisch entgegen. Mathilde, die schon lange nicht mehr nur die Haushälterin ist, sondern zur Familie dazu gehört, hat in ihrem freundschaftlichen und familiären Umfeld einen gewissen Ruf. Es wird gesagt, dass sie Geister sieht und erkennt, wenn an einem Ort etwas Schreckliches passiert ist. Außerdem kennt sie sich sehr gut mit Kräutern und ihrer Heilwirkung aus. Im Mittelalter wäre sie daher höchstwahrscheinlich als Hexe gebrandmarkt worden. Ihre Base Daniela möchte einen alten Hof in der Nähe kaufen. Sie bittet Mathilde darum sich das Objekt genauer anzuschauen und sozusagen ihren Segen für den Kauf zu geben. Doch als sich Mathilde auf dem Hof umschaut, spürt sie sehr viel Leid und große Gefahren. Sie geht davon aus, dass auf dem Hof schreckliche Dinge passiert sind und rät Daniela und ihrem Verlobten Jakob von dem Kauf ab. Jakob nimmt dies alles nicht ernst und sieht es als Humbug an. Er macht sich sogar noch einen Scherz mit der Angst der beiden Frauen. Mathilde bleibt allerdings bei ihrer Behauptung und versucht die beiden zu überzeugen. Das Paar kauft jedoch kurz darauf den Hof. Wieder auf dem heimischen Hof nutzt Mathilde die Polizeikontakte von Walcher und bittet um Informationen über vermisste Personen aus der Gegend um den Hof. Der Kommissar geht von neuen Recherchen des Journalisten aus und hilft soweit es ihm möglich ist. Damit befinden sich Mathilde und Walcher schon in einem Strudel aus Gewalt, Hass und Gefahr. Sie bohren immer weiter, entdecken viele Vermisste und landen immer wieder bei einer bestimmten Familie. Genau diese Familie hat Daniela und Jakob den Hof verkauft.
Das Buch ist wunderbar geschrieben und lässt sich sehr flüssig lesen. Die Sprache ist sehr gut verständlich. Einzig mit einigen Mundart-Sätzen hatte ich ein wenig zu kämpfen. Sie kommen allerdings nur selten vor und wenn man sie dreimal gelesen hat, versteht man auch ihren Sinn. Sehr gut hat mir der Anhang gefallen, in dem auch auf wichtige Begriffe eingegangen wird. Auch die Dialoge sind sehr fein aufeinander abgestimmt. Sie wirken nicht, wie in vielen anderen Kriminalromanen, konstruiert oder abgehackt. Der Ton ist sehr melodisch und die Gesprächsgegenstände sind sehr realistisch. Die gesamte Geschichte steigert sich wunderbar. Die ersten verübten Taten werden im Rückblick beschrieben und haben zunächst nur einen sehr geringen Bezug zur Gegenwart. Man möchte aber unbedingt weiterlesen um zu erfahren, ob Mathilde und Walcher auf die richtige Spur kommen und was jetzt eigentlich hinter dieser ganzen Sache steckt. Die "Visionen" von Mathilde treten in sehr gemäßigten Dosen auf und führen keineswegs dazu, dass der Krimi in die Fantasiewelt abrutscht. Der Autor beschreibt sogar im Anhang, dass ein gewisser Aberglaube und die Geisterwelt einfach zum Allgäu gehören.In dem Buch finden sich immer wieder kleine Erwähnungen von anderen Geschichten. Zunächst dachte ich, dass der Autor schon einmal an Fortsetzungen gedacht hat. Nach einer kleinen Recherche habe ich jedoch festgestellt, dass es schon mehrere Geschichten und um den Journalisten Walcher gibt. Sie sind im eigenen Verlag des Autors erschienen. Vielleicht führt der Erfolg von Ahnhof ja dazu, dass auch die anderen Bücher stärker nachgefragt werden. Mich würde es freuen.

Fazit: Ein absolut empfehlenswerter Krimi mit einem ganz kleinen Hauch Mystik.




288 Seiten, € 8,95 [D]
Erscheint: Dezember 2010
Kartoniert
€ 8,95 [D], € 9,20 [A], sFr 14,90
ISBN-10: 3548609929
ISBN-13: 9783548609928



Link zur Verlagsseite

Buchpremiere Kerstin Decker

Zunächst ein recht herzliches DANKESCHÖN an den UllsteinVerlag für die Karten.

Am gestrigen Abend stellte Kerstin Decker in der Georg-Büchner-Buchhandlung (Wörther Str./Prenzlauer Berg) ihr neues Werk vor. Dabei handelt es sich um Biografie der Lou Andreas-Salomé.
Diese bemerkenswerte Frau ist außerhalb philosophischer Kreise kaum bekannt. Mir hat jedoch die Buchpremiere gezeigt, dass es lohnt sie kennen zu lernen. Ihr Freundeskreis setze sich aus Paul Rée, Friedrich Nietzsche, Rainer Marie Rilke und Sigmund Freud zusammen. Sie war jedoch nicht nur die Frau, die stumm den Gesprächen der "großen Männer" folgte. Nein, sie war aktiv an philosophischen Gesprächen beteiligt und veröffentlichte eine Vielzahl von Schriften, die sich mit philosophischen Fragestellungen oder der Psychoanalyse beschäftigten. Wer mehr über sie wissen möchte, erhält über den entsprechenden Wikipedia-Artikel einen guten Einstieg.
Nun aber noch ein paar Worte zu der Lesung. Kerstin Decker ist eine sehr ruhige und angenehme Vorleserin. Wenn sie sich an den Text gehalten hat, konnte man in das Buch eintauchen. Sie hat aber auch ein enormes Wissen über Lou angesammelt. Das führte bei Abschnitten, die sie frei erzählte, häufig dazu, dass der Erzählstrang etwas verworren wirkte und die Stringenz entsprechend litt. An einigen Stellen habe ich mich leider wie in den Bundestagsreden von Loriot gefühlt. Ich denke aber dies lag daran, dass Kerstin Decker die Lesefragmente zu einem großen Ganzen zusammenfügen wollte. Gleichzeitig sollte natürlich nicht die gesamte Geschichte erzählt werden. Und zudem musste sie immer wieder nachdenken was jetzt für die Zuhörer relevant ist und was nicht. Man hat auf jeden Fall die Begeisterung der Autorin für ihre "Figur" erkannt.

Fazit: Auch wenn ich den freien Gedankengängen von Kerstin Decker nicht immer folgen konnte, hat sich die Biografie sehr interessant angehört. Die Sprache wirkte sehr klar, aber trotzdem wurden humorvolle Kommentare eingestreut, die für steife Biografien eher unüblich sind. Daher könnten sich auch Leser an das Werk trauen, die eher keine Biografien lesen. Da der Text aber gespickt ist mit Zitaten und Briefen von Nietzsche, Rée usw. sollte man ein kleines philosophisches Grundwissen mitbringen.

Mittwoch, 10. November 2010

Artemis verspätet sich

Liebe Besucher/innen,
da ich heute und morgen kurzfristig Unterricht vertreten muss, werde ich die Artemis Fowl-Rezension erst am Sonntag schreiben können.
Gestern ist endlich "Der Ahnhof" eingetroffen. Zudem habe ich "Der Klang der Zeit" gewonnen und ich werde dieses Buch natürlich bei Gelegenheit rezensieren.
Morgen gehe ich weiterhin zur Buchpremiere von Kerstin Deckers "Lou Andreas-Salomé". Darauf bin ich sehr gespannt und werde natürlich anschließend hier darüber berichten.


Liebe Grüße
Charlene

Montag, 8. November 2010

Mal wieder ein Zwischenstand

Liebe Besucher/innen,
momentan lese ich von Andreas Eschbach das Werk "Ausgebrant", das bereits 2007 erschienen ist. Zudem warte ich noch auf ein Exemplar von Joachim Rangnicks "Der Ahnhof", das ich über vorablesen erhalten habe.

Am Mittwoch werde ich voraussichtlich eine Rezension der Artemis Fowl-Reihe posten.
Und letztendlich werde ich noch meinen gesamten Mut sammeln und gezielt einige Verlage um Rezensionsexemplaren bitten. Hierbei möchte ich mich aber zunächst  auf den Jugend- und Kinderbuchbereich beschränken.
Es geht also vorwärts, auch wenn der Beruf und die Familie die Schritte kleiner werden lassen :-)

Liebe Grüße und eine schöne Lesewoche wünscht
Charlene

Freitag, 5. November 2010

FreitagsFüller

Die Vorlage ist wie immer von scrap-impulse und die unterstrichenen Stellen sind von mir:
1.   Bis jetzt bin ich noch optimistisch was mein iPhone angeht.
2.   Ich ärgere mich häufiger über die ganze Sache.
3.   Kleine Dinge machen das Leben lebenswert.
4.   Ich koche mir jetzt mal einen Kaffee, denn ich glaube das ist eine gute Idee.
5.  St. Martin, damals in Fulda mit Pferd und Umhang....
6.   Schon länger möchte ich endlich richtig arbeiten und Geld verdienen :-)
7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf mein Bett , morgen habe ich Putzen und Unterrichtsvorbereitung geplant und Sonntag möchte ich mit meinem Vater, seiner Frau und der restlichen Familie einen Spaziergang machen!

Liebe Grüße
Charlene

Donnerstag, 4. November 2010

J. Berry, Handbuch für Detektive

Erst einmal recht herzlichen Dank an C.H.Beck für diesen Gewinn! Das Handbuch für Detektive war laut interner Verlagsstatistik wohl das meist gestohlene Buch des Verlages während der Frankfurter Buchmesse.

Und hier nun meine Rezension:

In einer großen Stadt im Irgendwo werden alle Häuser überragt von dem riesigen Gebäude der "Agentur". Die Detektive dieser Firma kümmern sich um die Kriminalfälle der Stadt. Dabei arbeiten sie eng mit den Schreibern zusammen, deren Aufgabe es ist die Fallakten anzulegen. Arbeitet ein Detektiv an einem Fall, muss er regelmäßig Berichte verfassen, die auch Überlegungen und persönliche Anmerkungen enthalten. Der jeweilige Schreiber bereinigt diese Berichte, hebt wichtige Aspekte hervor, streicht unwichtige Details, versucht alles zu systematisieren und verfasst eine stringente Fallgeschichte. Anschließend gibt er diese Akte an die Archivare weiter. Da ein direkter Kontakt zwischen den Schreibern, Detektiven und anderen Angestellten untersagt ist, findet die Kommunikation innerhalb der einzelnen Abteilungen über Boten statt.
Charles Unwin ist unter den Schreibern eine kleine Berühmtheit. Er ist Detektiv Sivarts Schreiber und war mit seinen Fallgeschichten maßgeblich an dem steilen Aufstieg Sivarts beteiligt. Als Unwin eines Tages viel zu früh aufsteht und sich am Bahnhof noch einen Kaffee kauft, trifft er mit einer wunderschönen unbekannten Frau zusammen. Er findet heraus, dass sie täglich am Bahnhof auf einen bestimmten Zug wartet, jedoch nie einsteigt oder jemanden abholt. Dies weckt sein Interesse und er beginnt nun jeden Tag und zu derselben Zeit vor der Arbeit zum Bahnhof zu gehen. Eines Tages wird er dort jedoch von einem Agenturmitarbeiter abgefangen. Dieser teilt ihm mit, dass er vom Schreiber zum Detektiv befördert wurde, händigt ihm ein Exemplar des Handbuches für Detektive aus und verschwindet wieder.
Unwin glaubt verwechselt worden zu sein und will in der Agentur alles klären. Doch damit gerät er schon in einen Strudel von Intrigen, Mord und Rätseln. Er erhält indirekt die Aufgabe den verschwundenen Meisterdetektiv Sivart zu finden und ihn wieder in den Schoß der Agentur zu bringen. Dabei lernt er eine verworrene Traumwelt kennen, die ihn an der Wahrheit des eigenen Lebens zweifeln lässt. Wer ist eigentlich Mitglied der Agentur? Welche Macht hat die Agentur wirklich? Und ist alles so wie es scheint?

Die Sprünge zwischen verschiedenen Traumwelten und das Eingreifen der Personen in die verschiedenen Sphären scheinen zunächst das Lesen und vor allen Dingen das Verstehen der Geschichte zu erschweren, fügen sich aber im Verlauf der Handlung zu einem komplexen und interessanten Gedankengebäude zusammen. Dem steht eine klare Sprache gegenüber, die teilweise schon etwas zu eindeutig ist. Sie wirkt so steif und ordentlich wie Unwin, der doch lieber Schreiber sein möchte. Durch seine erzwungene berufliche Veränderung wirkt er hilflos und verwirrt. Er hat ein wenig etwas von Monk, bei dem alles eine gewisse Ordnung haben muss. Auf der anderen Seite hat man manchmal das Gefühl, dass er ein kleiner Columbo ist, der den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.
Diese Traumwelten erinnern ein wenig an Kafka, doch fehlte mir persönlich die geniale Idee dahinter. Vielleicht habe ich diese jedoch auch einfach nicht entdeckt. Klar, die Agentur können wir einfach in unsere heutige Zeit versetzen und mit staatlichen und nicht staatlichen Einrichtungen vergleichen. Wir können über das Verhältnis zwischen Gut und Böse nachdenken und uns überlegen wie groß der Einfluss einzelner "Agenturen" in unserem Leben ist. Aber soll es das gewesen sein?
Und letztendlich fehlt mir ein wenig die Spannung in der Kriminalgeschichte. Es war nur in sehr seltenen Fällen so, dass ich unbedingt weiterlesen wollte. Zum großen Teil tropfte die Geschichte einfach vor sich hin.

Ein riesiges Lob muss ich Michaela Kneißl aussprechen. Sie hat den Umschlag gestaltet und wahrscheinlich dazu beigetragen, dass das Buch so häufig entwendet wurde. Das ist wirklich als Lob zu verstehen! Die Gestaltung passt einfach hervorragend zu der Geschichte und ist auch noch wunderschön.

Fazit: Die Idee der Verknüpfung von Traumwelten und der Wirklichkeit,  sowie die Komplikationen, die entstehen, wenn man nicht mehr weiß wo man sich gerade befindet, wurden gut in dem Buch dargestellt. Es fehlt aber eindeutig an Spannung. Auch sprachlich könnte der Autor, der übrigens auch Lektor ist, etwas mutiger werden.

Erschienen: 21.07.2010

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Mittwoch, 3. November 2010

Vorschau

Liebe Besucher/innen,
morgen habe ich einen freien Tag und endlich Zeit für die Rezension des Detektivhandbuchs.

Also, bis morgen!
Liebe Grüße
Charlene