Donnerstag, 17. Mai 2012

Kathrin Göpfert & Marion Goedelt, Nein!

Auf dem Spielplatz kann man die unterschiedlichsten Dinge entdecken. Aber nur wenigen wird eine Tüte voller Neins begegnen. Paul hatte das Glück solch eine Tüte zu finden. Oder war es doch eher Pech?

Zum Anfang macht es ja noch Spaß, wenn seine Mutter möchte, dass er mit ihr nach Hause geht. Dann öffnet er einfach seine kleine Tüte und ein Nein springt umringt von bunten Sternen und einem Schweif heraus. Schuhe ausziehen oder die Jacke aufhängen? Kommt gar nicht in Frage. Jedesmal öffnet Paul leicht das Versteck seiner kleinen Freund und entlässt einen von ihnen in die Freiheit. Auch beim Essen kann man sie super benutzen. Doch als es um den ersehnten Nachschlag geht, springt plötzlich ungewollt ein Nein heraus. Super! Jetzt bekommt Paul kein weiteres Würstchen. Na zum Glück gibt es auch Nachtisch. Da rutscht wieder ein Nein heraus. Mist, diese kleinen Biester sind immer schwerer zu bändigen. Und auch am nächsten Tag machen sie Paul das Leben nicht leichter. Sie kommen immer häufiger ungefragt hinaus und vermiesen dem kleinen Jungen richtig den Tag. Als in seine Mutter aus dem Kindergarten abholt, ist die Tüte endlich leer und eine langes Ja kommt wieder aus seinem Mund.

Mittlerweile gibt es einige Bücher über die bockige und trotzige Phase der Kleinen. Häufig wird dabei der Ansatz genutzt, der übrigens auch von Pädagogen und Familientherapeuten empfohlen wird, den "Bock" zu personifizieren und als eigenständig darzustellen. So ist er ein Monster, ein Gnom oder ein Geist, der plötzlich erscheint und auch noch weiterhin stört, wenn das Kind schon lange seine Ruhe haben will. Die Idee von Göpfert und Goedelt finde ich allerdings auch nicht schlecht. Mit einer Tüte voller Neins, die man nicht recht zurückhalten kann und deren Vorrat zum Glück irgendwann erschöpft ist, können wahrscheinlich sehr viele Kinder etwas anfangen. Zudem sind die Situationen, in denen die ablehnende Haltung auftritt, wirklich jedem bekannt. Und da ist es egal ob wir von den Eltern oder den Kindern sprechen.

Die Bilder, welche den sehr gelungenen Text begleiten, kamen mir zunächst etwas kantig vor. Aber nach dem mehrmaligen Lesen und Betrachten ist mir aufgefallen, dass sie die Gefühle der jeweiligen Personen erstaunlich klar darstellen. Gerade mit dem Erkennen und Verarbeiten von Gefühlen haben ja auch die Kinder in der Trotzphase zu tun. Daher bietet dieses Buch einen guten Anlass, um über die Gefühle der Kinder und Erwachsenen zu sprechen. Und gemeinsam stellt man dann fest, dass diese ganze Neinsagerei doch ziemlich blöd ist und einen den ganzen Tag versauen kann.



 

Mit Bildern von Marion Goedelt
Fadenheftung durchg. 4- farbig
36 Seiten, 25 x 23 cm
ab 4 Jahre

ISBN: 978-3-939944-80-5
Preis: EUR 14,95 [D] / EUR 15,40 [A] / sFr 21,90 


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