Donnerstag, 23. Juni 2011

Eine Rezension für Eichborn

Einige von euch haben es wahrscheinlich mitbekommen. Seit einem halben Jahr gibt es immer wieder Meldungen aus dem Eichborn-Verlag, die eine Übernahme durch den Aufbau Verlag betreffen. Mal heißt es, dass der Verlag nach Berlin zieht und dann wieder nicht. Auf jeden Fall wurde 35 von 48 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. Am 16. Juni platzte dann eine richtig große Bombe. Da das Sanierungskonzept (inklusive Umzug nach Berlin) nicht aufgegriffen wurde, stellte der Mehrheitsaktionär einen Insolvenzantrag. Damit ist auch die Fusion mit dem Aufbau Verlag geplatzt und die 13 Mitarbeiter, die per Änderungskündigung nach Berlin ziehen sollten, verbleiben bei Eichborn.
Gestern konnte man dann auf buchreport.de (http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/0/0/0/mitarbeiter-sind-hoch-motiviert.htm) folgende Meldung lesen:

„Hoch motivierte Mitarbeiter“
Rund eine Woche, nachdem der Vorstand von Eichborn Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt hat, sendet der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Lessing optimistische Signale. Der Geschäftsbetrieb werde uneingeschränkt weitergeführt, sämtliche Vertragspartner, mit denen der Verlag weiterarbeite, erhielten Zahlungszusagen. Außerdem seien die Mitarbeiter hoch motiviert.

Lessing erklärt außerdem, dass alle Bestellungen bearbeitet und von LKG an den Buchhandel ausgeliefert würden. Ebenso werde das Herbstprogramm – wie in der Vertriebskooperation mit dem Aufbau Verlag vereinbart – seit Anfang Juni von den Verlagsvertretern im Buchhandel vorgestellt und wie angekündigt erscheinen.
„Insbesondere die nach dem Insolvenzantrag eingegangenen Bestellungen von Großbuchhandlungen bestätigen mir das Vertrauen der Branche in den Eichborn Verlag“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter. „Damit sehe ich sehr gute Chancen, dass Eichborn erfolgreich saniert werden kann.“

Auch ich habe in den letzten Monaten die Mitarbeiter als sehr motiviert kennen gelernt. Da man die Zahlen, und die damit in den letzten Jahren eingefahreren Verluste des Verlages nicht ändern kann, einige Blogger aber trotzdem ein Zeichen setzen wollen, hat die Bibliophilin eine tolle Aktion ins Leben gerufen. Wir wollen den Mitarbeitern von Eichborn ein großes DANKE schicken. 
Hierfür rezensieren wir Eichborn-Bücher oder posten alte Rezensionen noch einmal. Dies führt auch dazu, dass man einen Blick in das Verlagsprogramm erhält. Vielfach wurde Eichbron ja vorgeworfen kein Profil zu haben, aber vielleicht ist das gerade die Stärke des Verlags. Das könnt nur ihr als Leser und Käufer der Bücher entscheiden.
 
 Mark Watson, Elf Leben
- Menschen mit Problemen haben sich schon immer instinktiv an Xavier gewandt, oder er hat eine zufällige Anziehungskraft auf sie ausgeübt. Er ist der Typ Mensch, der sich immer die Sorgen des Taxifahrers anhören muss oder mitfühlend nickt, wenn ihm ein Fremder im Aufzug plötzlich wortreich sein Herz ausschüttet. Vielleicht hilft es, dass Frauen ihn gut aussehend finden (...) -
 
Sicherlich hat jeder schon einmal irgendetwas von dem so genannten Schmetterlingseffekt gehört. Kurz und sehr vereinfacht gesprochen beschreibt der Effekt die Auswirkungen minimaler Veränderungen. Wenn an den Ausgangsbedingungen eines Systems Abweichungen vorgenommen werden, kann dies immense Folgen haben.

Mark Watson beschreibt in seinem Werk eine Handlung und ihren Effekt auf elf ausgewählte Personen. Im Mittelpunkt steht dabei Xavier, der eigentlich Chris heißt und vor einigen Jahren seine Heimat Australien verlassen hat. Er arbeitet als Moderator in einem Londoner Radiosender. Gemeinsam mit seinem Freund Murray bestreitet er die Nachtschicht. Dabei nutzt er seine natürlichen Beraterfähigkeiten und hilft frustrierten Menschen semiprofessionell ihre persönlichen Täler zu überwinden. Doch was sein eigenes Problem ist, verschweigt er eine ganze Weile. 
Eines Tages setzt er unbewusst eine Handlungskette in Gang, die elf Menschen und ihre Schicksale miteinander verknüpft. Gleichzeitig läuft aber auch sein eigenes Leben weiter. Er sucht eine Partnerin und findet eine Putzfrau. Er unterstützt seinen Kollegen und Freund, der ein Stotterproblem hat und aus der Sendung gedrängt werden soll. Und er denkt über seine eigene Vergangenheit, seine Fehler und seine Chancen nach. 

Watson hat mit Hilfe einer leichten und angenehmen Sprache, die trotzdem einen gewissen Anspruch hat, ein Potpourri an wundersamen Lebensgeschichten geschaffen. Jede einzelne Begebenheit amüsiert und stimmt in anderen Momenten wieder nachdenklich. Die Figuren werden, trotz ihrer teilweisen kurzen Auftritte, liebevoll beschrieben. Sie erfüllen sicherlich auch das ein oder andere Klischee, was aber aus meiner Sicht kein schlechter Kunstgriff ist. Sehr erfreut haben mich die kleinen Ausblicke. Ich liebe es zu erfahren was eine Person zwanzig Jahre später macht. Ein Nebensatz reicht dafür aber auch vollkommen aus.  Man kann sagen, dass Watson kein Wort zu viel, aber auch kein Wort zu wenig benutzt. Er unterhält, er regt an und er lässt den Leser nicht so schnell los. Nimmt man dieses Buch wirklich ernst, muss man anschließend sich selbst hinterfragen.

Fazit: Ein wirklich unterhaltsames Buch, das trotz Humor zum Nachdenken anregt.

Kommentare:

  1. Da mache ich aber sicherlich auch mit :)

    AntwortenLöschen
  2. Die Probleme hängen doch damit zusammen, dass Eichborn an die Börse gegangen ist. Siehe etwa: http://www.spiegel.de/wirtschaft/a-75847.html

    Und beachtet auch die Sätze: Neben Büchern verkauft Eichborn schon jetzt auch Hörbücher und Merchandising-Artikel wie Tassen und Schlüsselanhänger. Ein neuer Geschäftsbereich soll die Karriereberatung im Internet werden.

    Die neuen Geschäöftsbereiche haben wohl nicht funktioniert. Ein Verlag ist aber halt auch eine Aktiengesellschaft. Ich frage mich vor allem, wie weit man diesen marktradikalen Wahnsinn noch treiben will?

    AntwortenLöschen
  3. @Ulli
    Ja, ich sehe das genauso. Und vor allen Dingen finde ich, dass sich das Programm sehr verschlechtert hat. Daher habe ich betont, dass es als Dankeschön an die Mitarbeiter gesehen werden soll.
    Die Karriereberatung wurde meiner Meinung nach an den Stark Verlag abgegeben, der auch Schulbücher produziert. Aber da müsste ich noch einmal recherchieren.
    Und über die Zukunft des Buchmarktes möchte ich lieber nicht spekulieren... :o)

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Charlene, hier kommt ein kleiner Award für dich:
    http://hunds-buchbesprechungen.blogspot.com/2011/06/unser-siebter-award.html

    LG

    AntwortenLöschen
  5. Ich nehme an der Aktion auch teil. Traurige Sache, wie auch immer es nun so weit kam...

    AntwortenLöschen