Freitag, 6. Mai 2011

Maria V. Snyder, Yelena und die Magierin des Südens

- Amüsiert erhob Valek sich hinter seinem Schreibtisch. Mit einer theatralischen Geste deutete er auf zwei Reihen von Speisen und Getränken auf dem Konferenztisch. "Nur eines davon ist nicht vergiftet. Probiere sie und finde heraus, welches es ist." -

Yelena sitzt in einem dunklen Kerker. Sie hat einen Mord begangen und soll in den nächsten Tagen hingerichtet werden. In der Zeit, die sie im Kerker verbringt, vermischen sich schreckliche Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit mit ihren aktuellen Gefühlen und Gedanken. zeitweise scheint sie gar nicht zu wissen wo sie sich befindet. Da es keinen Ausweg aus dieser Situation gibt, sehnt sie mittlerweile den Tod herbei. Sie möchte einfach nur aus dem dunklen und dreckigen Loch hinaus, welches in den letzten Monaten ihre Unterkunft war. Sie möchte frei sein, auch wenn sie diese Freiheit nicht mehr genießen kann. Als sie aus dem Kerker geholt wird und das erste Mal wieder Licht wahrnimmt, verabschiedet sie sich von ihrer Heimat Ixia. Doch anstatt zum Henker gebracht zu werden, landet sie im Büro von Valek, der der Sicherheitschef des aktuellen Kommandanten ist und ihr ein Angebot unterbreitet. Der Kommandant benötigt einen neuen Vorkoster. Laut Gesetzt wird der nächsten Person, die zum Tode verurteilt wurde, diese Stelle angeboten. Yelena würde demnach trotzdem weiterhin dem Tod recht nahe sein, hätte aber noch etwas mehr Lebenszeit, die sie relativ frei verbringen könnte. Daher stimmt sie rasch zu und muss sofort mit den ersten Lektionen beginnen. Unerwartet wird sie dadurch allerdings wieder zu einer Gefangenen, weil sie mit dem Essen ein Gift aufgenommen hat, das sie innerhalb von zwei Tagen tötet. Um das zu verhindern muss sie jeden Morgen ein Gegengift zu sich nehmen, welches Valek aufbewahrt.

Ich habe das Buch im Rahmen der Entdecker-Challenge gelesen

Eine Zeit lang erscheint Yelena diese Situation genauso betrüblich, wie das Leben im Kerker. Wäre es nicht doch besser gewesen zu sterben? Ihr bleibt keine Zeit darüber nachzudenken oder einen Plan zu entwickeln. Der Vater von Yelenas Mordopfer ist ein einflussreicher Heerführer, der einen Distrikt von Ixia beherrscht und ein sonderbares Kinderheim leitet, in dem Yelena bis zur Tat lebte. Natürlich kann er nicht damit umgehen, dass sie weiterleben darf und möchte ihren Tod. Sie ist somit ständigen Gefahren ausgesetzt und sie hat keine Vertrauensperson. Zudem scheint sie besondere Kräfte zu entwickeln, die an Magie grenzen. In Ixia ist jede Form von Magie jedoch verboten und wird mit dem Tod bestraft. Wie soll sich Yelena verhalten? Wie soll sie den Gefahren entgehen? Und was hat sie mit einem geplanten Aufstand zu tun?

Yelena und die Magierin des Südens ist ein Werk, das den Leser schon nach wenigen Seiten packt. Das liegt nicht unbedingt an dem sprachlichen Stil, sondern eher an der Idee und den Figuren. Man möchte unbedingt wissen wie es mit Yelena weitergeht. Man will ihr ihre Geheimnisse entlocken und wissen wie ihr Leben vor dem Kerker aussah. Gemeinsam mit ihr geht man aber auch auf die Suche nach ihren magischen Kräften und begleitet sie in der Entwicklung. Die Rückschläge, die sie auf ihrem Weg hinnehmen muss, sind plausibel gestaltet und gleichzeitig voller Spannung. Zudem sind in der gesamte Geschichte nur sehr wenige Ereignisse vorhersehbar.
Die sprachliche Gestaltung zeichnet sich nicht durch eine besondere Poetik aus oder ist voll von Fantasiebegriffen. Sie ist klar und ruhig, verständlich und gut strukturiert. Sie erzeugt einen angenehmen, geradezu samtigen Lesefluss, den man auf keinen Fall unterbrechen möchte.

Fazit: Ein spannungsgeladenes Buch, das den Leser rasch fesselt und nicht so schnell frei gibt.


ISBN 978-3-89941-824-8
7,95 EUR [D]8,20 EUR [AT]12,90 sFr [Ch]
464 Seiten

Kommentare:

  1. Das klingt interessant :-)
    Wirst Du auch die weiteren Teile lesen? Ich habe im www gesehen, dass dies der 1. Teil ist.
    Oder ist der 1. Teil an sich abgeschlossen, sodass es nicht unbedingt nötig ist, weiterzulesen?

    Lieben Gruß und hab ein schönes Wochenende!

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  2. Der dritte Teil müsste jetzt auch schon draußen sein. Man kann auch nur das Buch lesen, weil das Abenteuer abgeschlossen ist. Es gibt so kleine Sachen, die weitergehen und von denen ich auch gerne wüsste wie sie sich entwickeln. Mal sehen. Vielleicht komme ich ja irgendwann dazu die anderen Teile zu lesen.

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